Gas geben!

Planung ist alles!?

Nachdem ich bisher nur 13 Routen im 5. Grad geklettert war, musste etwas passieren. Ich merkte, ich musste Gas geben. So kam es, dass ich, bevor wir losfuhren im Kletterführer ausgiebig nach Felsen suchte an denen ein paar mehr Fünfer zu finden sind. Maßgabe waren mindestens 5. Davon gab es auch einige im Frankenjura und so planten wir je einen Klettertag an der Münchser Wand, der Kanzelwand und am Weißenstein. Der Plan war an jedem Tag vier Routen zu schaffen. Das ist machbar, insbesondere wenn man an drei Tagen am Stück klettern will, will man sich ja nicht gleich am ersten Tag zu sehr auspumpen.

Tag 1 - Münchser Wand

Am gesamten Freitag regnete es, auch als wir losfuhren war der Himmel noch grau und es regnete. Als wir gegen 18 Uhr in Erlangen an unserem Domizil ankamen, hörte es langsam auf. Wir bereiteten ein Abendessen, liefen eine Runde am Stadtrand spazieren und gingen ins Bett um uns für den nächsten Tag gut auzuruhen.

Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass wir unser Seil in Dresden haben liegen lassen. Na, so ein Mist. Ein wenig Nachdenken brachte mich auf die Idee Marion (welche mit Die Entschleuniger wunderbare Angebote im Bereich Corporate Volunteering erarbeitet) anzurufen. Wir haben uns am Kletterfestival zum ersten Mal real getroffen (davor hatten wir Kontakt via Facebook) und konnten sofort viel lachen. Sie lebt nicht weit und konnte uns dankenswerterweise mit einem Seil aushelfen. Glück gehabt.

Also nichts wie los zur Münchser Wand. Im Wald war es kühl und die Feuchtigkeit lag noch in der Luft. Der Fels war jedoch an den meisten Stellen schon gut abgetrocknet sodass wir zum Tagwerk schreiten konnten. Wir kletterten den Asselpfeilder (5), den Westriss (5), den Hans Hacker Gedenk Weg (5) sowie den Westpfeiler (5+). Durch die Verzögerung um das Seil noch abzuholen war es nun auch schon gegen Abend und wir beschlossen es für heute erstmal dabei zu belassen. Für einen ersten Klettertag ist das ja eigentlich schon ganz in Ordnung so.

Jenny klettert am Türkenfels, Frankenjura

Jenny steigt am Türkenfels im Frankenjura vor

Tag 2 - Kanzelwand - oder eben auch nicht...

Am Sonntag wollten wir zur Kanzelwand. Am Parkplatz angekommen lasen wir erneut die Zustiegsbeschreibung und machten uns auf den Weg. Nach einiger Zeit, die wir bergauf gingen und weit und breit keinen Kletterfelsen vorfanden, gucken wir auf die Karte (OpenStreetMap) und stellten fest, dass wir wohl irgendwo falsch gegangen sind. Quer durch den Wald stapften wir weiter, in der Hoffnung, dass wir nur auf der Rückseite des Objektes der Begierde waren. Jedoch sollten wir schnell eines Besseren belehrt werden. Der Fels ist bei OSM leider falsch eingezeichnet.

Wir liefen und liefen und kamen irgendwann zur Spieser Wand. Dass es die Spieser Wand war erfuhren wir von netten auskunftsfreudigen Sportfreunden, die uns zwar auch nicht sagen konnten, wie wir zur Kanzelwand kommen, aber eine Vermutung hatten. Wir folgten dem vermuteten Weg und standen nach ca. 10 Minuten wieder an der Spieser Wand. Zwischenzeitlich waren wir wieder fast am Parkplatz, wo wir noch eine Kommilitonin abholten, die zwar nicht zum klettern, aber zum einfach dabei sein gekommen war.

An der Spieser Wand beschlossen wir, erstmal ein Picknick einzulegen, da wir von der Tour quer über die Hügel und durch den Wald schon ein wenig ausgezehrt waren. Dort berieten wir uns auch, wie es weiter gehen soll. Eine weitere Gruppe zog an uns vorbei, ebenfalls auf der Suche nach der Kanzelwand. Auch sie kamen nochmal vorbei...

Wir beschlossen einen neuen Plan und gingen zur nahgelegenen Hohen Reute. Es war mittelerweile später Nachmittag geworden (wo ist eigentlich die Zeti hin? Sind wir wirklich so lange planlos durch den Wald gelaufen?). Dort kletterten wir noch zwei Routen, von denen ich eine weitere in die Liste aufnehmen konnte.

Tag 3 - Vollgas am Weißenstein

Am Motag fuhren wir zum Weißenstein. Da es dort am Wochenende bekanntlich sehr überlaufen ist, dachten wir, wir sollten das einfach am Montag tun. Den Fels kannte ich schon vom Kletterfestival in diesem Jahr. Nur leider konnte ich nicht wirklich klettern als wir dort waren, da ich am Tag zuvor in der Route Bärbel am Breitenstein von einer Biene gestochen wurde, was sich schrecklich entzündete.

Leer war der Fels zwar auch an diesem Montag nicht, eine slowakische Jugendgruppe, die kurz nach uns ankam belagerte einen großen Teil der leichteren Routen, aber immerhin fühlte ich mich gut, ich war ausgeruht und motiviert.

Ich stieg in die erste Fünf des Tages ein und konnte diese gleich "punkten". Die nächste folgte und so ging es noch zweimal weiter, bis wir nach der vierten Route eine Mittagspause einlegten. Nach der Pause sollte es gleich richtig zur Sache gehen. Das Boulderwandl, die längste und schwerste 5+ an diesem Felsen.

Ein wenig Sorge hatte ich, ob ich das schaffen würde, gepaart mit der Sorge, wie viele Versuche ich hätte beovr ich zu sehr ausgepumpt bin. Ich stieg ein. Ja, die hatte es schon an ein paar Stellen in sich. Hier und da ein paar kräftige Züge.

Zwischendrin immer wieder im Selbstgespräch motiviert "auf keinen Fall los lassen!", "dran bleiben, du kannst das", "ja, das ist gerade anstrengend, aber du kannst das leisten!", usw.

Oben, direkt am Umlenker hing ich dann in einer so dämlichen Position, dass ich dachte, dass es das jetzt war. Kein Vor und kein Zurück mehr... Doch: Ja, ich war ja am Umlenker. Ich musste nicht mehr weiter. Ich war ja oben! Mir fiel ein Stein vom Herzen, ich brüllte dem Sicherungsmann "Zu, mach zu!" entgegen und lies erleichtert los. Mensch, das war eine Route.

Wirklich tolle Bewegungen, einige kräftige Züge und ausdauernd. Sie lohnt sich. Vermutlich die schwerste Fünf, die ich bisher in der Challenge kletterte, aber auch eine der schönsten!

In
Tags : #Die Challgenge, #100x5, #Climbing, #2016, #Frankenjura, #FränkischeSchweiz, #Weißenstein, #Kanzelwand, #Spieser Wand, #Hohe Reute, #Münchser Wand,