Ade Challenge

Langsam reifte ein Entschluss

Einige haben es vielleicht schon via Facebook oder Instagram mitbekommen: Ich habe mit "nur noch" knapp 20 fehlenden Routen am 01.01.2017 angekündigt, dass ich die Challenge als solche aufhöre.

Nun ist es also an der Zeit die Challenge Revue passieren zu lassen und die ein oder andere Frage aufzuklären.

Nach dem austoppen eines Boulder auf Mallorca (Torre den Beu)

Wann und warum habe ich entschlossen die Challenge zu beginnen?

Entschlossen zur Challenge habe ich mich im Februar letzten Jahres auf Teneriffa. Ein Jahr zuvor haben wir auf Teneriffa unsere erste wirkliche Klettererfahrung am Fels gesammelt. In 2016 im Urlaub lief es dann schon ganz passabel. Die meisten "Fünfer" konnte ich im zweiten oder dritten Versuch klettern, einige ganz wenige auch im ersten Versuch. Ich war allgemein ganz gut drauf und bin auch einiges vorgestiegen.

Ich hatte im Urlaub Ruhe und Zeit und konnte in nur zwei Kletterwochen gemütlich, ohne Stress, um die 30 Routen klettern.

Ich beschloss die Challenge zu machen und verband damit auch einige Hoffnungen, auf die ich gleich näher eingehen werde.

Was ich mir von der Challenge erhofft habe

Kurz und knapp hatte ich mir folgende Punkte erhofft: * viel, viel Klettererfahrung, am besten in verschiedenen Gebieten mit verschiedenstem Gestein * die meisten Routen im 5. Grad UIAA onsight klettern zu können * und vor allem: Freude am Klettern

Was davon eingetreten ist:

Eigentlich alles, dazu aber im Abschnitt "Fazit" mehr.

Und warum habe ich dann eigentlich damit aufgehört?

Gründe gibt es hier wie Sand am Meer. Allen voran: Ich hatte irgendwo im Verlauf der Challenge die Sache mit dem "Spaß" irgendwie verloren. Ich fühlte mich von meiner eigenen Erwartungshaltung unter Druck gesetzt.

Durch zeitlich ungünstig gelegene Erkältungen und eine Zahn-OP gingen leider ein paar der wenigen Wochenenden mit schönem Wetter im Sommer 2016 einfach so verloren. Die Zeit wurde knapp, und damit auch die Zeit, neben Studium, Arbeit und Challenge noch andere Dinge zu tun, wie z. B. einfach mal mit Freunden klettern gehen, egal welche Bewertung an der Route steht. So habe ich immer mehr in den Kletterführern nach Gebieten Ausschau gehalten, in denen ich an einem Tag mindestens 4 - 5 Routen werten konnte. Dadurch habe ich leider auch jede Menge wirklich hässliches Zeug geklettert, in welches ich sonst vermutlich nicht eingestiegen wäre. Insbesondere in Erinnerung ist mir hier eine am Rande eines Felsens im Frankenjura gelegene Kletterei entlang eines Risses (nicht im Riss). Es war dreckig, überall Spinnweben. Die Route war sicher seit langem nicht geklettert worden. Ich musste/wollte da hoch um mein Tageszeil zu erreichen. Eins kann ich sagen: Gelohnt hat es sich nicht. Es gab oben nichtmal das gute Gefühl es "doch geschafft" zu haben, trotz der wenig schönen Kletterei.

Auch wollte ich schon des Längeren unbedingt mal wieder draußen bouldern. Auch das war dann aufgrund der wenigen verbleibenden Klettertage einfach nicht mehr drin.

Alles in allem lief es also darauf hinaus, dass meine Freude am Klettern litt, und damit auch die Motivation meinem liebsten Hobby nachzugehen.

Über Weihnachten waren wir in diesem Jahr dann auf Mallorca auf dem Camperhof. Direkt nach der Ankunft hatten wir zwei super Klettertage, an denen ich meist eher schwerer unterwegs war als im 5. Grad UIAA. Ich bin auf Anraten unserer Gastgeber im Toprope in die ein oder andere wunderschöne 5c eingestiegen und hatte hierbei wirklich einfach Spaß.

Dann wurde ich blöderweise von einer fiesen Erkältung heimgesucht. Die Tage gingen vorbei, ich wollte wieder an den Fels und fühlte die noch nicht ganz überwundene Erkältung doch erheblich in den Muskeln. Als ich wieder fit war, hatte ich wahnsinnige Lust bouldern zu gehen. Doch da war ja noch diese Challenge. Ich glaube das alles, all der Unmut über die Challenge, dann diese Erkältung und diese wahnsinnige Lust einfach ein paar schöne und vielleicht auch absurde Bewegungen an eine nicht ganz so hohe Wand zu bringen, die Freiheit einfach mit netten Menschen loszuziehen und in eine Tour einzusteigen, weil sie toll aussieht (egal welchen Grad sie hat) und die dabei wiedergefundene Kletterfreude haben mich dann kurz vor Jahresende dazu gebracht einen Abbruch in Erwägung zu ziehen. Der Gedanke fühlte sich befreiend an. Mein Kletterpartner war davon auch sofort überzeugt, denn auch er war manchmal durchaus genervt (absolut zurecht) davon, dass wir so strikte Vorgaben hatten. Der Abbruch war beschlossen und ich fühlte mich frei... auch etwas leer, aber hauptsächlich frei. Am nächsten Tag waren wir dann übrigens bouldern.

Was hats gebracht?

Gebracht hat mir die Challenge einiges.

  • Ich konnte bei den letzten gekletterten Routen nahezu alle Routen onsighten.
  • Ich traue mich nun in den allermeisten Routen bis zum glatten 5. Grad UIAA ohne zu zögern in den Vorstieg.
  • Ich habe viele verschiedenartige Routen in mehr als 10 unterschiedlichen Klettergebieten geklettert.
  • Ich habe mich als Kletterer weiterentwickelt. Ich klettere vielfältiger und komme nun auch besser in "kräftigeren" Routen klar.
  • Ich habe für mich erkannt, dass ich nicht jede Route klettern will oder muss, nur weil sie in meinem Niveau liegt.
  • Und vor allem habe ich viele nette Menschen am Fels getroffen und kennengelernt. Danke euch allen, denn jeder Einzelne war eine Unterstützung bei diesem Vorhaben!

Ich wüsche euch allen auf diesem Weg noch ein gesundes und glückliches Jahr 2017. Immer guten Grip, genug Haut auf den Fingern, viel Spaß an den Felsen und in den Bergen oder wo ihr sonst gerne seid und vor allem immer Spaß an dem was ihr tut!

In den nächsten Wochen muss ich mich nun zum Semesterende wieder mehr auf mein Studium fokussieren. Wie immer stehen die Klausuren an. Danach freue ich mich schon jetzt sehr darauf wieder zu trainieren und hoffentlich bald auch wieder raus an die Felsen zu gehen.

See you at the crag!

In
Tags : #Klettern, #Climbing, #2016, #2017, #Challenge, #Mallorca, #Camperhof, #100x5,