Sportklettern auf Sächsisch

Am oberen Umlenker der Russenwand auf einem Plateu, beim Nachholen.

Gibt es überhaupt Sportklettergebiete in Sachsen?

Viele Kletterer denken, wenn sie "Sachsen" hören in erster Linie an das Elbsandsteingebirge mit seinen freistehenden Sandsteintürmen. Gleich danach denken die meisten dann auch an die Sicherungssituation im Elbsandstein. In schwereren Routen gibt es ca. alle 5 Meter einen Ring, in leichteren Routen sind die Abstände höher bis hin zu gar keinen Ringen. Die Verwendung von mobilen Sicherungsgeräten aus Metall, wie etwa Klemmkeilen oder Friends ist im Elbsandstein nicht gestattet. Als mobile Sicherungsgeräte zugelassen sind Knotenschlingen und spezielle Klemmgeräte aus Bandmaterial, UFO genannt.

Diese Regeln stehen in den Sächsischen Kletterregeln und sind, neben dem Erhalt des traditionellen sächsischen Kletterns auch dem Naturschutz geschuldet.

Was viele Kletterer jedoch nicht wissen ist, dass es in Sachsen auch noch andere Klettergebiete gibt, in denen oftmals Bohrhaken in festem Gestein zur Sicherung verwendet werden.

Leider sind die Kletterführer "Sachsen - Sportklettergebiete im Ostteil" sowie "Sachsen - Sportklettergebiete im Westteil" seit Jahren vergriffen. Seit der ersten Auflage wurden neue Routen erstbegangen und ganze Wände neu erschlossen. Dies hat den Geoquest Verlag wohl inspiriert einen neuen Kletterführer herauszubringen, dessen Hauptaugenmerk auf dem Erzgebirge liegt.

Kurz nach dessen Erscheinung lag er dann auch in unserem Briefkasten und wir beschlossen am nächsten freien Wochenende gleich mal ein wenig "Neuland" zu erkunden.

Wir entschieden uns für die Russenwand, nahe Freiberg.

Kletterführer Erzgebirge

Wo ist der Umlenker?

Die Russenwand und der Kreuzfelsen sind mit dem PKW gut erreichbar, jedoch sind die Parkmöglichkeiten recht beschränkt.

Angekommen begutachteten wir die Russenwand ein wenig und sahen recht schnell, dass es eine Mischung aus Reibungskletterei und blockartigen Überhängen handelt. Die Hakenabstände sind durchaus weiter als in spanischen oder französischen Sportklettergebieten. Eher, wie in den wirkllich alten Routen im Frankenjura.

Wir stiegen in die erste Route ein. Mein Lieblingskletterpartner stieg vor und nach dem letzten Bohrhaken dauerte es recht lange, bis ich wieder Feedback bekam. Er fragte dann, ob ich wisse, wo der Umlenker sein soll. Ich rief mir das Topo aus dem Führer ins Gedächtnis und gab ihm eine möglichst gute Antwort.

Einige Zeit später liess er mich wissen, dass er ihn nicht findet. Er kletterte noch ein Stück, bis er gut stand und bat mich, nochmal in den Führer zu gucken. Ergebnis war, dass er eigentlich nun direkt vor dem Umlenker stehen sollte. Er konnte ein Loch im Fels entdecken, wo vermutlich mal der Umlenker steckte. Es hiess also zurückklettern zum letzten Haken und von dort unter Verlust eines Karabiners abseilen... ärgerlich.

Am nächen Tag erzählte uns ein anderer Kletterer, dass er dieses Problem auch schon hatte. Er ist die Routen dann stattdessen nach oben ausgestiegen um den Materialverlust zu vermeiden.

Danach stieg mein Kletterpartner noch in eine weitere Route ein, und kaum dass er am Umlenker war, begann es zu regnen... Der Klettertag war also gelaufen, und das, ohne dass ich überhaupt zum klettern kam. Schade.

Ansicht Russenwand von der Straße

Dachverschneidung - ein sächsisches Vergnügen

Am nächsten Morgen sind wir früh aufgebrochen um dem angekündigten Gewitter ab 13 Uhr zuvor zu kommen und davor noch ewtas zu klettern.

Angekommen am Fels, stiegen wir in die erste Route ein und ich merkte schnell, dass ich, vor allem mental, alles andere als gut drauf war. Das ungewohnte Gestein, die ungewohnte Kletterei und dazu fühlte ich mich allgemein nicht so fit. So sass ich in der ersten Route doch des öfteren im Seil und lamentierte.

Die Sonne stieg am Horizont weiter empor und schon bald war die dunkle Russenwand eine Mischung aus Grill, Sonnenbank und Sauna.

Wir beschlossen, ein paar Meter weiter, in den Wald zu gehen um im Schatten am Kreuzfelsen unser Glück zu probieren. Wir fanden die Dachverschneidung einladend und machten uns ans Werk. Mein Vorsteiger suchte sich seinen Weg. Von unterwegs hörte ich Zitate wie "Das Heidekraut ist wichtig", die mich doch sehr an den Film "Sächsische Delikatessen" erinnerte. Nachdem ich ihn abgelassen hatte, war sein Fazit "Fast schon ein Fall für die Kotzbrockenliste".

Ich war also gespannt: Was konnte ihn so verschrecken?

Um das herauszufinden hatte ich wohl keine andere Wahl als selbst in die Route einzusteigen. Also in den Verschneidungseinstieg rein und fix nach oben bis unter die Dachkante. Hier schon der erste Moment an dem ich mich unwohl fühlte, beim Klippen der ersten Exe. Ein Stück runter, rauf auf die Platte und queren um aus unter dem Dach entlang der Route zu folgen.

Dann der Ausstieg über die Dachkante. Nun kam der Teil, den ich zuvor beim Sichern nicht einsehen konnte, und damit auch die Erkenntnis. Vor mir lag ein breiter Riss, ggf. schon eine Art Kamin. Gefüllt mit Botanik. Mein Gedanke: "Diese Route ist ganz sicher keine die regelmässig geklettert wird."

Ich machte mich auf den Weg und als ich so über die "Wiese" kletterte und den Riss erreichte, entschied ich mich, da ich in dem Riss aufgrund der üppigen Fauna keine Griffe und Tritte sah, das ganze recht sächsisch anzugehen und es als Kamin zu klettern.

Ich quetschte mich also in diese Lücke, mein Rücken wurde nass, da das Gras dort wohl noch etwas feucht vom gestrigen Regen war. Ich stemmte mich, Stück für Stück nach oben, bis ich unter der oberen Kante des Risses war.

Nun die nächste Herausforderung: Wie komme ich aus dieser Position wieder in eine sinnvolle Position um die letzten paar Meter Wandkletterei zu bewältigen? Wie genau ich das machte, keine Ahnung. Aber irgendwie klappte es dann und ich konnte den Umlenker klippen.

So, nun wusste auch ich, was mein Vorsteiger meinte.

Wir beide kletterten die Route danach noch ein zweites Mal. In meinem zweiten Durchlauf war dann die Fauna im Riss schon so weit zurückgedrängt, dass ich Trittchen erkennen konnte und so konnte ich die Stelle in diesem Durchlauf lösen, ohne in den Riss hineinzukriechen.

Danach machten wir erstmal Mittagspause. Es war schon fast 13 Uhr, weit und breit keine Wolke in Sicht und so langsam glaubten wir daran, dass wir doch noch einen längeren Klettertag vor uns haben könnten.

Nach der Pause sind wir dann an der Russenwand noch ein wenig in schönen, aber auch wirklich abenteuerlichen Routen unterwegs gewesen, bis wir gegen 18 Uhr völlig erschöpft nun doch ein paar dicke Wolken aufziehen sahen und den Klettertag beendeten.

Trailer "Sächsische Delikatessen"

Wer nun gerne noch mehr über den Film erfahren will, dem lege ich ans Herz auf den Link beim Sandsteinblogger zu klicken, oder den Trailer anzusehen.

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